Zarate &
Meister Eckarts Kuriositätenkabinett: Subkulturrevolution!
oder: 5 Lieder sind genug und ein Bisschen Pathos war
noch nie verkehrt
Regensburg,
Februar 2006
Dass es sich hier um die Kooperation
des Jahrhunderts handelt, dürfte wohl jeder und jedem, die/der
bisher dabei war, klar sein. Dass manIn von weiteren Kooperationen
dieser Ausnahmekünstler hören wird, versteht sich von selbst.
Hier nun die versprochenen Fotos. Zumindest ein paar.. Und nein, ich
weiß auch nicht, warum nicht alle Bilder in farbe sind.
Irgendwann kommen dann auch noch ein Video und ein Podcast...
(und
wie es überhaupt dazu kommen konnte, nur für den Fall, dass
das jemanden interessiert)
Zweigstelle, Alte und
Neue Filmbühne, Orkan, Büro, Hinterhaus, Apotheke und
eine Bushaltestelle wurden (vielleicht auch ein Bisschen angemeldet)
überfallen und bespielt, um die Attraktion am darauffolgenden
Abend - die CD-Release-Party von Zarate - in die Hirne der Anwesenden
zu brennen. Noch bevor den letzteren klar wurde, was in den jeweils
gerade vergangenen und verwirrenden 15 Minuten denn nun genau passiert
war, waren Band und Meister auch schon wieder verschwunden. Unbestreitbar
ist, dass eine gegessene Glühbirne, untermalt von scheinspanischen Musik-Gewittern in Tateinheit mit einer Terminankündigung,
absolut der Definition von "Verstärkerlernen" entsprechen. Da
können sich die Damen und Herren Psychologen eine Scheibe abschneiden.
Jaja! Zum Schluss noch eine Mitternachtsshow und dann husch ins Bettchen,
um - solchermaßen beseelt - vom nächsten Tag zu träumen.
Die Band (v.l.n.r.: Ramirez Gonzales sowie
Antonio, José und Miguel Zarate)
Die meisterliche Road-Crew (v.l.n.r.: Schdine,
Jonas, der Meister, Gitta und der rote Freibeuter)
19.00
Uhr. Ankunft in der Bodega. 20.00 Uhr. Die Bodega füllt sich und die Nervosität
steigt.
21.00 Uhr. Ein ganz
und gar nicht spanisches Jahrmarktsintro verwirrt die eben noch
von einem Tischfeuerwerk geblendeten Gäste und der Meister schreitet
zur Tat. Hunderte weißer Papierfäden zischen durch die Luft,
ein Messer steckt im Arm, 200 Meter Papiergirlande erscheinen am Stück
und aus dem Nichts, der Meister liest in den Gedanken der Zuschauer
und Antonio Zarate, "Segundo Subcomandante de Bajo" der Zaratisten,
wird mit 15 Messern in seinem Kopf traktiert. Leider keine Fotos... Damit
soll´s für´s Erste genügen und der Subcomandante
nebst Miguel und Jose Zarate, sowie Ramirez entfesseln einen musikalischen
Sturm. Schon nach zwei Liedern werden erste Sprechchöre skandiert:
"Viva, Viva, Viva Zarate!", das Publikum weiss nicht, wie ihm geschieht
und lässt sich mitreissen von unzählbaren Wellen südamerikanischer
Leidenschaft.
Vamos!
Dann "Brrreak".
Zarate haben sich bereits nach 20 Minuten völlig
verausgabt, aber vor allem das Publikum braucht eine Pause. Niemand,
so scheint es, ist es mehr gewohnt, mehr als nur einen guten Song
zu hören. Die Getränke werden in Fässern hereingerollt,
der Schweiss kondensiert schon jetzt an den Scheiben. Können
Zarate das erste Set toppen?
Oh ja, meine Freunde, sie können. Ramirez drängt
bereits wieder zur Bühne, er will, ja er muss zum Mikrofon.
Jose lächelt verzückt hinter seiner Djembe, Antonio und
Miguel schnallen sich ihre Saiteninstrumente um, als wären es
Revolvergurte und schon bricht wieder dieser unfassbare Sturm über
das Publikum herein. Die Menschen stehen auf den Tischen, sie jubeln,
sie schreien. Inmitten der tobenden Massen sieht man Ramirez, den
tasmanischen Teufel, wie er hüpft, tanzt, wirbelt und singt. Die
Bodega ist eine wabernde Masse aus Musik und Schweiss.
Pause.
Miguel und Antonio bleiben sitzen. Warum? Sie spielen.
Aber sie spielen leise, fast vorsichtig. Die Massen kommen verwirrt
zur Ruhe und starren gespannt in Richtung der improvisierten Bühne.
Da! Der Meister schreitet hochkonzentriert und in
einen Lunghi gehült die Treppen herunter, vor sich eine orientalisch
wirkende Schale, aus der eine dicke Rauchwolke steigt.
Fakirzeit!
Die Fackeln werden entzündet und die Flammen
lecken begierig an den Fingern des Meisters. Er legt die brennenden
Dochte auf seine Unterarme und zieht sie langsam bis zu den Schultern
über seine nackte Haut. Sehr langsam. Zu langsam! Unfassbar! Kleine
Rauchfäden kräuseln sich auf seiner Haut und doch sind keine
Brandblasen zu sehen. Der Meister spielt mit dem zerstörerischsten
aller Elemente. Stets respektvoll, sich der Gefahren bewusst und das
Feuer scheint es geradezu zu genießen. Es gesteht ihm zu, für
ein paar Minuten der Herr über die Flammen zu sein. Was passiert
jetzt? Der Fakir legt seinen Kopf in den Nacken und öffnet den
Mund. Eine Fackel wandert hoch über den Kopf des Meisters und wird
dann unaufhaltsam immer näher zum Gesicht geführt. Schon berühren
die ersten Flammen die Lippen. Länger, immer länger lodern
sie aus seinem Mund, bis sie schliesslich ganz verlöschen. Nocheinmal
führt er eine Fackel zum Mund, diesmal fast Wange an Wange mit
einer Zuschauerin, die sich dem bizarren Schauspiel nicht entziehen
kann. Ihre Augen weit aufgerissen, der Mund halb offen. Niemand spricht,
als der Meister den Zeigefinger an seine Lippen legt um das Publikum um
absolute Ruhe zu bitten. Man hört das leise brummen der Eismaschine
aus der Bodega-Küche. Die Stimmung ist zum zerreißen gespannt.
Zum letzten Mal führt er eine Fackel zum Mund, aber sie geht nicht
aus. Er nimt die Hand von der Fackel und der Docht steckt - immer noch
brennend - zwischen seinen Zähnen. Das Publikum wirkt verunsichert,
bis der Meister mit weit ausgebreiteten Armen, die brennende Fackel
immer noch im Mund, mit einer eindeutigen Geste seiner Hände um
Applaus bittet. Die Spannung entläd sich mit einem unglaublichen Getöse.
Wieder einmal hat er das Feuer bezwungen und badet in nicht enden wollendem
Applaus.
Und da kommen auch
schon wieder Zarate! Nocheinmal geben die Mariachi alles, nocheinmal
gibt das Publikum alles, nocheinmal erzittert das ganze Gebäude
unter der Wucht der Geschehnisse. Glässer und Flaschen werden
rythmisch auf Tische und Bänke geschlagen, Beine stampfen, Hände
klatschen.
"Viva, Viva, Viva Zarate! Viva, Viva, Viva Zarate!"
Die Band kann nicht mehr, aber das Publikum lässt
sie nicht gehen. Noch ein Lied! Zugabe!
"Otra Vez! Otra Vez! Otra Vez!"
Ramirez hat seinen
Sombrero schon lange nicht mehr auf, Antonio schwitzt in seinen
Zapatas rojas, Miguels Haare kleben an seiner Stirn und Jose kann
seine Handflächen nicht mehr spüren. Egal! Dieser Abend
darf noch nicht enden. Noch ein Lied. Noch einmal singen alle mit,
noch einmal jubeln alle, noch einmal schluckt der Meister Feuer, noch
einmal "Viva Zarate!".
Dann stellen die Musiker ihre Instrumente
ab und gehen - immer noch singend - zur Treppe. Der Weg zu den Garderoben.
Oben angekommen drehen sie sich noch einmal zum Publikum und singen
noch einmal die letzte Strophe ihrer Hymne "Viva Zarate!". Unter tosendem
Beifall entlässt sie das Publikum nach mehr als drei Stunden.
Noch Minutenlang kann man die Sprechchöre hören...
Tja, was soll ich sagen? Genauso war´s. Ich
hoffe, ihr, die ihr nicht dabei wart, könnt´s euch jetzt
einigermaßen vorstellen. Vielleicht kommen wir bald auch
in eure Stadt. Ziemlich sicher irgendwann...
Der Bavarian Indie
Podcast Vol. 7 mit einem kurzen Bericht über das Konzert
Ramirez und sein
Tagebuch
Zarate - Somos Rock!